Bad Tölz

Die Villa, in der Thomas Mann lebte, liegt am nördlichen Stadtrand von Bad Tölz in der Heißstraße 25 (damals 11) nahe des Klammerweihers. Es ist Ausgangspunkt aller literarischen Spaziergänge zu Thomas Mann durch Bad Tölz.

Planung und Bau
Nachdem die Familie Mann so großen Gafallen an ihrem Aufenthalt in Tölz gefunden hatte, beschlossen sie, ein ein Hektar großes Grundstück oberhalb des Ortes am Höhenberg zu kaufen, ein Stück weit außerhalb des Ortes in beinahe unbebautem Gebiet. Damals konnte man vom Grundstück aus die Isar, die Altstadt Bad Tölz, das Gebirge, die Gaißacher Kirche und den Klammerweiher sehen. Heute ist dieser schöne Blick jedoch größtenteils verbaut oder verwachsen, durch die großen Bäume hindurch kann man allerdings auch heute noch das Gebirge erblicken.


Am 7. August 1908 wurde der Kaufvertrag mit einem Kaufpreis von 10.000 Mark notariell beurkundet.
Am 10.September 1908 reichte der Architekt Hugo Röckl ein Baugesuch und den Bauplan mit allen statischen Berechnungen für das Landhaus beim Tölzer Magistrat ein. Am 28. September 1908 wurde der Bauplan vom königlichen Bezirksamt Tölz genehmigt.
Noch am selben Tag wurde der Hausbau begonnen, das schreibt zumindest Thomas Mann in seinem neuntem Notizbuch. Im November 1908 war der Rohbau bereits fertig, und am 30. Juni 1909 meldete der Tölzer Kurier:
„Eine hübsche Villa ist nunmehr fertig gestellt. Sie wurde erbaut von Herrn Schriftsteller Mann, entworfen von Herrn Architekt Röckl in München und ausgeführt von Herrn Baumeister Egenberger in Bad Tölz. Das Haus zeigt den eleganten französischen Stil eines Landhauses, dessen vordere Front und die Seitenwände mit grünbestrichenen Latten beschlagen sind, die einmal von einem Epheugewächs durchzogen sein werden. Das Haus ist von der Bairawieser-Straße aus erreichbar und liegt hinter den Villen Hüls und Göbl, ein Platz, der eine schöne Aussicht bietet.“
Bezug
Thomas Mann bezog am 21. Juli 1909 mit seiner Familie das neu erbaute Landhaus in Bad Tölz.
Am 27. Oktober 1910 kaufte Thomas Mann noch ein 0,5 Hektar großes Grundstück am Waldrand hinzu und vergrößerte somit seinen Garten auf insgesamt ca. 1,5 Hektar. Der Zaun, der das erweiterte Grundstück umgab unterbrach einen Fußweg und deshalb musste Thomas Mann einen, dem alten Fußweg gleich großen Teil des neuen Grundstückes an die Stadt Bad Tölz abgeben, um den Fußweg wiederherstellen zu können. Thomas Mann kaufte ursprünglich das weitere Grundstück, weil ihn die wenigen Patienten des  Prinzregent-Luitpold-Genesungsheim, die manchmal an dem Haus vorbeigingen, störten und er mit dem Kauf auch neugierige Leute hinter dem Zaun halten wollte.


Das Haus hat im Erdgeschoss ein großes Esszimmer in dem sich ein direkter Dienstboteneingang befindet. Daran schließt sich das Damenzimmer an, daneben ein kleineres Herrenzimmer, das Thomas Mann als Arbeitszimmer diente. Neben der Diele, vor dem Hauseingang, befindet sich die Garderobe und das Anrichtezimmer welches auch vom Esszimmer aus betreten werden kann.





Aufenthalt und Anekdoten
Hauptsächlich war das Landhaus als Ort der Sommerfrische gedacht, denn die kühle und reine Alpenluft, der Ausblick, der hauseigene Tennisplatz, der nahe Klammerweiher und die Ausflugsmöglichkeiten (zumindest für die Kinder) versprachen Entspanung. Außergewöhnlicherweise begab sich die Familie auch zu Beginn des Februars 1912 für einige Wochen auf das Land: In dieser kurzen Episode entstand das Schnee-Kapitel aus dem "Zauberberg". Doch sie kehrten schon am 23. Februar zurück in ihre Stadtwohnung, da die beiden ältesten Kinder inzwischen schulpflichtig geworden sind und in die Schule gehen mussten.

Ein Jahr später, im März 1913, behauptete Thomas Mann, das Landhaus bald verkaufen zu wollen, da er ein Stadthaus im Herzogpark in München bauen lies, das beinahe an ländliche Abgeschiedenheit grenzte. Dieses vereinigte außerdem die städtischen und ländlichen Eigenschaften. Das Landhaus wurde somit unzweckmäßig.
Ende Juni 1913 ergab sich schon die erste Verkaufsgelegenheit, doch der Verkauf kam nicht zustande. Der Entschluss, das Landhaus zu verkaufen, bestand jedoch immer noch. So erschien eine Verkaufsannonce zum Landhaus  in der „Neuen Rundschau“  im Juli 1914 . Bedauerlicher Weise kam auch in diesem Jahr kein Verkauf zustande. Kurz nach Weihnachten 1914 kam die Familie Mann abermals nach Bad Tölz. Diesen ungewöhnlichen Zeitpunkt begründete Thomas Mann damit, dass sie zur „Erholung“ gekommen waren. Denn die Kinder seien oft krank, seine Frau erschöpft und er selbst müsse sich psychisch erholen. Ihr Aufenthalt betrug sechs Wochen. Diese beiden eher ungewöhnlichen Aufenthalte fanden zwischen all den Sommeraufenthalten statt. Im März 1915 bot Thomas Mann erneut den Verkauf des Landhauses an, wobei er den Preis von 80.000 Mark auf 70.000 Mark senkte. Der Grund für den Verkauf war, dass das Haus zu klein für die Familie geworden war und sie nicht jeden Sommer am gleichen Ort verbringen wollten. Auch waren finanzielle Probleme der Grund.
Verkauf



So kam es dann doch noch zum Verkauf: Bertha und Willy Wiegand waren die neuen Eigentümer des Landhauses in Bad Tölz. Der Kaufvertrag wurde am 7. Juli 1917 unterzeichnet. Das Haus ging für 65.000 Mark an die Wiegands. Diese gaben der Familie Mann ein Wohnrecht bis zum 15. September im Tölzer Landhaus. An diesem Datum verließ Familie Mann deren ehemaliges Landhaus für immer, wobei unklar ist, ob Thomas Mann das Haus jemals wieder betreten hat. Erst zwei Jahre später zog der Verlag „Bremer Presse“, der vom neuen Besitzer des Landhauses, Willy Wiegand und von Ludwig Wolde gegründet wurde, in die Tölzer Villa. Doch bereits im April 1921 wurde die Villa an die Rittergutsbesitzer Richard Hermann Wex und Karl Anton von Brocken aus Mecklenburg verkauft. Im Jahr 1926 wechselte das Haus abermals den Besitzer. Der „Orden der Armen Schulschwestern“ kaufte das Anwesen und richtete in der ehemaligen „Villa Thomas Mann“ ein Gästehaus  für Schwestern aus ganz Deutschland ein. Heute noch ist der Orden Besitzer des Landhauses, das zudem ein Geistlicher im Ruhestand bewohnt.